Sind wir noch zu retten?

30 12 2009

Gestern sind in der SZ im Feuilleton 2 Artikel erschienen die sich mit der Macht des Verbrauchers in Bezug auf ethischen Konsum auseinandersetzen. Das Fazit dieser Artikel ist, dass es so etwas wie ethischen Konsum in Wirklichkeit gar nicht gibt, dass die Lohas einer großen Selbsttäuschung unterliegen. Und ich gebe dem Fazit recht.

Wenn ich mir im Supermarkt den Fair Trade Multivitaminsaft von Pfanner kaufe, dann sind in diesem Saft die Hälfte aller verwendeten Früchte Fair Trade. Aber 50% eben nicht. Anderes Beispiel: American Aparell. Die haben zwar ihre Herstellung in die USA verlegt, beziehen die reine Baumwolle aber -wie der Großteil der Modewelt- aus Sweatshops. Das stellt mich als Konsument vor ein großes Problem. Kaufe ich diese Produkte, unterstütze ich zwar den Fair Trade bzw. Sweatshop-free Anteil dieser Produkte, aber auch eben denjenigen Teil der Produktion, der unter übelsten Bedienungen stattfindet. Zudem kommt in einem das Gefühl, dass diese Konzerne wie jeder andere Konzern sind, und ihr Fair Trade Gehaben nur benutzen, um ein „gutes“ Image zu produzieren und um ein spezifisches Klientel zu bedienen.

Doch wer sorgt dann für eine bessere Welt? Die Politik? Die Unterliegt nicht nur ihrer eigene Gier und der Angst vor dem Terrorismus sondern auch noch der üblen Macht der Großkonzerne. Die Konsumenten? Diese werden geleitet von den künstlich produzierten Images, blicken sie unter die Oberfläche sind sie ratlos. Die Bürger? Die beschäftigen sind nicht ausreichend mit Politik, werden von Wahlpropaganda manipuliert oder interessieren sich gleich gar nicht mehr für Politik. Zudem wird ihre Einigkeit mitunter durch den digitalen Graben zunichte gemacht. Bleibt noch die Religion. Doch diese verliert ständig an Glaubwürdigkeit, was nicht nur an diversen Machtkämpfen oder schlechten Empfehlungen von bestimmten Oberhäuptern liegt, des Weiteren sprechen die hohen Austrittszahlen für sich.

Wer also bleibt noch übrig um die Welt zu retten? Niemand. Das einzige was hier in meinen Augen noch Abhilfe schaffen würde, wäre eine globale Naturkatastrophe. Diese bringt nämlich einen großen Shockeffekt mit sich, der die Menschheit zum Nachdenken zwingt. So hat sie nochmals die Chance sich mit Dingen wie Ethik, Moral und Liebe zu beschäftigen um so einen Weg für eine soziale und vor allem funktionierende Gesellschaft zu finden.

Stellt sich die Frage, wenn alles so schlecht ist, warum beschäftige ich mich dann noch mit Dingen wie Fair Trade, warum mache ich mir die Mühe hier zu schreiben? Mich treibt die Hoffnung an, dass doch noch etwas bewegt werden kann, dass sich doch noch eine ethisch korrekte Großbewegung formiert. Außerdem, ich erachte den kantschen Imperativ als unabdingbar für eine funktionierende Gesellschaft und somit unabhängig von Momentanen Geschehnissen.  Oder um es mit den Worten von Mahatma Gandhi zu sagen:
„Wir selbst müssen die Veränderung sein,
die wir in der Welt bewirken wollen.“

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17.000

24 11 2009

17.000 . So viele Kinder sind laut Ban Ki Moon am Tag des Welternährungsgipfels in Rom an Hunger gestorben. Deshalb ist es auch ein Skandal dass am Dienstag beim Treffen der G-8 trotz 1,02 Milliarden hungernder Menschen keine echten Beschlüsse getroffen wurden. Stattdessen wurde laut dem Hilfswerk Misereor bloß „eine widersprüchliche Zusammenstellung bereits getroffener Vereinbahrungen und Versprechen“ verabschiedet. Doch was sind die Probleme der Hungernden und vor allem: was hilft dagegen?

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Wenn China zensiert…

14 11 2009

… dann ist das nicht nur Meinungsfreiheits einschränkend sondern verletzt auch noch die Menschenrechte.

Wenn wir aber zensieren (Fefe berichtet) ist das offenbar nur eine Korrektur der Wahrheit. Ja klar.
Aber der StaatsministerNeumann_paReihe nach. Kurz vor der Eröffnung der Ausstellung „Fremde? Bilder von den Anderen in Deutschland und Frankreich seit 1871“ wurde offenbar eine Texttafel aufgrund eines Wunsches des Kulturstaatsministers (Bernd Neumann, CDU) ausgetauscht. Konkret geht es um das Ende der Texttafel: „Neue Gesetze über Staatsangehörigkeit und Zuwanderung schufen erst seit der Jahrtausendwende die neuen Rechtsgrundlagen. Während innerhalb Europas die Grenzen verschwinden, schottet sich die Gemeinschaft der EU zunehmend nach außen ab. Die ›Festung Europa‹ soll Flüchtlingen verschlossen bleiben.“ Diese beiden Sätze wurden nun durch den Satz „Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge fördert seitdem staatlicherseits die Integration von Zuwanderern in Deutschland.“ ersetzt.
Den Vorwurf  des Geschichts- und Rechtswissenschaftlers Dieter Gosewinkel dass die Aussage aus „politischem Kalkül“ geändert wurde, wies der Museumsdirektor zurück: „Wie immer vor solchen Terminen habe ich dem zuständigen BKM-Referat die Ausstellungstexte zur Verfügung gestellt. Berechtigte Rückfragen des zuständigen Referats zum Text habe ich zum Anlass genommen, in eigener Verantwortung Modifizierungen vorzunehmen.“
Doch das Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Ausstellung könnte mit dem Vorwurf der Zensur recht behalten. Nicht nur, dass das oberste Gremium des Aufsichtsrates nur mit Mitgliedern der Bundesregierungen und der Landesregierungen besetzt ist. Nein, es finanziert sich auch noch aus Bundesmitteln. Durch das zensieren einer kritischen Ausstellung hat sich die Regierung nicht nur als Unfähig im Umgang mit Kritik erwiesen, sie hat auch gezeigt, wie viel ihr das Recht auf Informationsfreiheit wert ist.

Eine schöne Graphik, die den ursprünglichen Satz auf der Texttafel gut untermauert, ist hier zu finden.





Das Betreuungsgeld

13 11 2009

Zurzeit streiten Union, FDP und Opposition um das Betreuungsgeld. Hierbei sollen Eltern die ihr Kind nicht in eine Kinderkrippe geben monatlich 150,- € erhalten. Die CDU will die Leistung der Eltern die ihr Kind daheim betreuen honorieren, hat dabei aber vor dem inneren Auge immer das kirchliche Bild der Familie. Die SPD hingegen spricht von „Fehlanreizen“ und die FDP vom „bildungspolitischem Rückschritt“.

Zwar hat die SPD mit ihrer Kritik durchaus recht, jedoch denke ich dass die Diskussion rund ums Betreuungsgeld trotzdem zu sehr an der Oberfläche bleibt.
Denn um wen geht die ganze Diskussion? Richtig, um die Kinder.
Das Betreuungsgeld entwickelt einen umso größeren Anreiz je ärmer die Familie ist. Das heißt, sozial schwache Familien könnten den Zuschuss als Anreiz dafür sehen, ihre Kinder nicht mehr in Kinderkrippen zu schicken um das Betreuungsgeld zu bekommen und so ihren Haushalt aufzustocken. Außerdem sind die 150,- € nicht gerade Emigrationsförderlich, da 28,3% der Familien mit Migrationshintergrund stark armutsgefährdet sind. So werden vor allem die Kinder, die es am nötigsten hätten, vom Krippenbesuch abgehalten.

Viele Befürworter des Betreuungsgeldes sehen in der frühen „Abgabe“ des Kindes an Krippen eine Gefahr für die geistigen wie seelischen Zustände des Kindes. Dieses Argument wird jedoch durch die Studie des „National Institute of Child Health“ entkräftet. In der Studie wurden seit 1991 1.000 Kleinkinder untersucht um festzustellen ob Fremdbetreuung den Kindern schadet und wie sie sich überhaupt auf die Entwicklung der Mutter-Kind-Beziehung auswirkt. Die Studie kam zum Schluss, dass es keinen negativen Einfluss auf das Verhältnis von Mutter und Kind gibt, solange es der Mutter gelingt, die Intimität aufrechtzuhalten.
Deswegen sollte die Regierung statt Gelder mit zweifelhaften Auswirkungen in Aussicht zu stellen lieber in die Qualität der Krippen und Kindergärten sowie in die Schaffung neuer Krippen- und Kindergartenplätze investieren. Alles in allem ist das Betreuungsgeld ein Fehlstart in Bezug auf das Ziel „Wachstum. Bildung. Zusammenhalt.“.





Petition für Open-Acess

11 11 2009

Zurzeit gibt es eine Petition für Open-Acess, diese bitte unbedingt unterschreiben.
Wir haben ein Recht darauf auf Dinge, die wir finanziert haben, auch kostenlos zugreifen zu können.





ATAC geleakt

4 11 2009

Wie ich gerade über Spreeblick erfahren habe, wurde das ATAC Handelsabkommen geleakt. Und ich muss sagen, ich bin entsetzt. Dieses Dokument zeigt nicht nur wie Weltfremd unsere Regierungen teilweise sind, sondern zeugt auch wiedereinmal vom Unverständnis über das Internet. Statt einer sinnvollen Reformierung ist es ein harter Schlag gegen die digitale Gesellschaft.
Nicht nur dass die Idee der Verhältnismäßigkeit verlacht wird, nein, auch die Unschuldsvermutung wird mit den Füßen getreten.